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Dritte
Etappe: Ponferrada bis O’ Cebreiro 53 Kilometer
Beim
Verlassen der Stadt sehen wir die Templerburg noch einmal im Morgenlicht.
Die nächsten Kilometer fahren wir durch Industriegebiet. Es schließt
sich die leichtwellige Weinanbau-Landschaft an und als nächstgrößere
Ortschaft erreichen wir nach 15 km Cacabelos, mit seiner typischen
Struktur eines Pilgerstädtchens: Ein langer Pilgerpfad (Sirga), die
jetzige „Calle de los Peregrinos“, bildet das Rückgrat,
an dessen Seiten von Ost nach West die Häuserreihen liegen. Auf dieser
Straße durchqueren wir den Ort, nachdem wir ggf. ein zweites Frühstück
im urigen Lokal - La Moncloa de San Lazaro -, eingenommen haben. Am
Ortsausgang überqueren wir den Rio Cúa und vor uns liegt das Sanktuarium
Quinta Angustia.
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Straße
in Cacabelos
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Sanktuarium
Quinta Angustia
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Grabstätten
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Das klassizistische Sanktuarium Quinta Angustia
aus dem 18. Jahrhundert wurde auf dem Grundstück einer Einsiedelei
und eines früheren Hospitals errichtet. In der barocken Kirche befindet
sich ein kurioses und bemerkenswertes Retabel (Altarrückwand), welches
die so sehr verbreitete Darstellung des Heiligen Antonius (Antonio)
von Padua und das Jesuskind zeigt. Das Originelle dieser Statue ist,
dass beide, der Heilige und das Jesuskind, in ein Kartenspiel vertieft
sind.
Im archäologischen Museum des Ortes kann man römische
wie auch vorrömische Überreste betrachten, die in der Umgebung gefunden
wurden. Viele dieser Funde stammen von dem Hügel Castro de la Ventosa,
auf dem das alte Bergidum lag, eine Festung, die später der
ganzen Gegend ihren Namen gab: (Bergidum = Bierzo).
Die
Etappe führt weiter über das Dorf Pìeros, in dessen Nähe sich
das Castrum Bergium befand. Dabei sind noch einige Anhöhen zu
überwinden, die uns noch bis Villafranca del Bierzo begleiten
werden. Dort passieren wir als erstes die wuchtige Burg des Marqués
de Villafranca. Wir achten nun darauf, auf der rechten Seite eine kleine
Straße nicht zu verpassen. Sie führt steil bergan zu der Santiagokirche,
wiederum ein „muss“ für Pilger. (credencial de peregrino bereithalten!!
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Burg
von Villafranca del Bierzo
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San
Nicolas 17. Jh.
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Diese kleine Kirche, die Iglesia Santiago, ist
heute noch in ihrer ursprünglichen romanische Form zu bewundern, die
1189 beendet wurde. Nicht nur wegen der Skulpturen auf ihren Kapitellen
(auskragender Übergang von der Säule zum Gewölbe) ist diese Kirche
bekannt, sondern weil sie aus dem XV. Jh. ein besonderes Privileg
genießt, das auf dem Jakobsweg einzigartig ist. Nach einer Verfügung
des Papstes Calixtus II. konnten die Pilger, die wegen einer Krankheit
ihre Wallfahrt nach Santiago de Compostela nicht zu Ende führten,
den selben Jubiläumsablass erhalten, indem sie durch das Portal der
nördlichen Fassade der Jakobskirche gingen, durch das Tor der Vergebung
(Puerta del Perdón). Wie wichtig dies für viele Pilger war,
davon zeugt der große Friedhof rechts von der Kirche.
Der Kirche vorgelagert ist eine Pilgerherberge, das Refugio
O Ave Fenix. Diese Herberge wurde im letzten Jahr umgebaut, so
dass in einem Nebengebäude Doppelzimmer entstanden sind. Die Herberge
wird privat geführt von der Familie Jato. Wenn man Glück hat, trifft
man einen der Brüder, nämlich „Paco“ an. Dieser Hospitalero
(Ehrenbezeichnung für die Herbergsväter), von Beruf Apotheker und
Chemiker, doppelter Dr., kann durch Handauflegen Schmerzen müder Wanderer
lindern. Wir haben im Jahre 2003 solch eine Behandlung miterleben
dürfen. Man wird von ihm nach altem Pilgerbrauch mit einem Glas Wasser
begrüßt, kann das aber auch stehen lassen, um mit ihm ein Bierchen
zu trinken. (Sollte man in Villafranca del Bierzo, egal in welcher
Unterkunft, übernachten, kann man hier trotzdem in der Herberge einen
urigen Abend verleben).
Sen~or Jato bietet allen Fußpilgern eine besondere Dienstleistung
zu erschwinglichen Preisen an. Mit seinem Landroover bringt er auf
Wunsch das Gepäck zum hoch gelegenen Gebirgsdorf O Cebreiro, um den
mühsamen Aufstieg dorthin zu erleichtern.
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Santiago-Kirche
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Puerta del Perdón (im Jahre 2003)
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Refugio O’Ave Fenix
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Fahrradpilger aus Bad Sassendorf
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restaurierte Pforte (2006)
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Refugio O Ave Fenix
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Von den drei anderen größeren Kirchen in Villafranca
del Bierzo ist die monumentale im Barockstil des XVII. Jh. erbaute
Iglesia San Nicolás interessant. In ihrem Innern wird der „Cristo
de la Esperanza“ (Christus der Hoffnung), der Schutzpatron von
Villafranca, verehrt. In der Kirche San Francisco lebt die
Wallfahrt des Heiligen Franz von Assisi nach Santiago weiter, der
hier in Villafranca nächtigte. Ein weiteres Highlight in dieser Stadt
ist die als Stiftskirche 1529 erbaute Iglesia Santa Maria de Cluniaco,
deren großartige Architektur ihrer drei Kirchenschiffe und des
Kuppelgewölbes dem überwältigenden Retabel von Berruguete, einem Schüler
Michelangelos, einen besonderen Rahmen verleihen.
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Kirche San Francisco
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Autovia León – A’Coruna
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im
Tal des Valcarcel
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Das
geplante Etappenziel liegt noch 29 Kilometer weiter. Diese Strecke
ist die kraftzehrendste auf dem Camino. Für Radfahrer ist es empfehlenswert,
der Nationalstraße N VI zu folgen. Solange man im Flusstal des
Rio Valcárcel radelt, kommt man noch gut voran. Man genießt die
Bergwelt und erreicht Trabadelo. Ab hier geht es zur Sache.
Die
alte Nationalstraße „antigua N.IV“ wird kaum noch befahren. Die weiträumige
Bergwelt empfängt uns. Bald verlassen wir die engen, sattgrünen Falten
der Uferränder des Rio Valcárcel und nun wird durchweg das Rad geschoben.
Dabei genießen wir den Blick auf mit niedrigem Bewuchs überzogene Berghänge.
Wir gelangen an die Grenze zwischen Kastilien und Galizien.
Der Blick geht über endlose Weiten der galizischen Bergwelt. Wir befinden
uns auf dem Gebirgspass „Puerto de Pedrafita“. Eine Asphaltstraße führt
nun von der N VI links ab zu dem kleinen Bergdörfchen Ò Cebreiro.
(Der
Original-Camino über die Orte Vega de Valcarce, Ruitelan und La Faba
ist natürlich mit dem Fahrrad auch befahrbar auf Asphaltstraßen, jedoch
gehen zwischenzeitlich „erfahrene“ Höhenmeter durch eine Schussfahrt
abwärts in ein Tal wieder verloren).
In 1293 Meter Höhe, in Ò Cebreiro, dem Tor nach
Galizien, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die kleinen roggenstrohgedeckten
Bauernhäuser aus Bruchsteinen sind in ihrer Bauweise ganz dem rauen
Klima angepasst.. Diese „palozza“ genannten runden oder ovalen,
tief geduckten Häuser, kannte man schon vor 2000 Jahren bei den hier
lebenden Kelten. Dicke, abgerundete Schiefermauern bieten den Stürmen
wenig Angriffsfläche. Die Palozza besaß keine Fenster, sondern nur
ein niedriges Schlupfloch für seine Bewohner und ein zweites etwas
größeres für das Vieh. Im Giebel des Strohdaches befand sich eine
Öffnung als Rauchabzug. Die Familie lebte auf engstem Raum. Eine „palozza“
ist als Museum ausgebaut und zu besichtigen. Andere dienen als Pilgerherbergen,
Pensionen und kleine Gastwirtschaften..
Die einfache Kirche Santa Maria la Real, dreischiffig
mit dem Grundriss einer Basilika und rechteckigen Apsiden, ist charakteristisch
für die Vor-Romanik dieser Gegend. Dieser prä-romanische Kirchbau
ist das älteste Monument am Jakobsweg. Im Innenraum wird die herrliche,
aus dem 12. Jh. stammende
romanische Statue von Santa Maria la Real verehrt. In der rechten Apsis wird ein Kelch und eine Patene aufbewahrt,
die an das berühmte Wunder des Cebreiro erinnern soll. Kelch
und Patene des „Santo Milagro“, des eucharistischen Wunders, sind
im Katalog für romanische Kunst in Europa aufgeführt. Der silberne
Kelch, „galizischer Gral“ genannt, schmückt das Wappen von Leon und
das der Region Galicia.
Das Bildnis der Santa Maria la Real, der thronenden Maria
Königin, ist eine schöne romanische Statue des XII. Jhs. Ihr zu Ehren
wird am 8. und 9. September eine Prozession veranstaltet, zu der jedes
Jahr bis zu 30.000 Pilger nach O’Cebreiro kommen.
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Palloza
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Iglesia Santa Maria
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San Giraldo de Aurillac
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Legende vom Wunder des Cebreiro: Ein Bauer eines
nahegelegenen Dorfes stieg zum Cebreiro hoch, um die Messe zu hören,
und zwar an einem Tag mit furchtbarem Schneesturm. Der Zelebrant,
ein Mönch, der viel weniger gläubig war als der fromme Bauer, verachtete
ihn insgeheim, weil er dieses Opfer auf sich genommen hatte. Plötzlich
verwandelten sich die Hostie und der Messwein sichtbar in den Körper
und das Blut Christi, die in der Patene aufgefangen wurden. Die beiden
Protagonisten bei diesem Wunder, der fromme Bauer und der ungläubige
Zelebrant, liegen in einer Seitenkapelle der „Capilla del Milagro“
(Kapelle des Wunders) begraben. .Die Patene und der Kelch finden sich
heute im Staatswappen von Galizien wieder.
Links neben der Kirche liegt der langjährige Dorfpfarrer
und Pionier der Wiederbelebung der jakobäischen Tradition, Dr. Don
Elias Valin~a Sampedro, begraben. Er verfasste den Pilgerführer (Guia
de peregrinos) und markierte eigenhändig weite Strecken des Pilgerweges.
Auch die Restaurierung einer alten Pilgerherberge rechts neben der
Dorfkirche nahm er 1965 in Angriff und schuf so ein urgemütliches
Restaurant und eine Pilgerunterkunft.
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O’Cebreiro
im Morgendunst
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Panoramablick
ins Tal
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Tipp:
Egal,
wo man in Ò Cebreiro schlafen sollte, das Pilgermenu nimmt man in der
historischen Herberge San Giraldo de Aurillac ein. Dieses urige Gebäude,
Teil eines ehemaligen Klosterkomplexes mit meterdicken Schieferplattenmauern,
wurde 1965 zu einem Hostal umgebaut und ist ohne Vorreservierung meist
ausgebucht. Die Speisenkarte hat nur einen Posten, nämlich das Pilgermenu
in zweierlei Ausführung. Das hat es aber in sich! Hinter den über einen
Meter dicken Schieferplattenmauern lässt es sich gut speisen! Bei diesem
Gebäudekomplex, rechts neben der Kirche, handelt es sich um die Reste
des alten Hospitals und um die ehemaligen Unterkünfte der Mönche.
Übrigens
ist dieser Ort der erste auf unserer Wanderung, in dem nicht mehr
kastillisch, sondern galizisch gesprochen wird. Weitere Eigenheiten
dieses Landstriches sind die schlanken Steinkreuze, die „Cruceiros“,
die sich an den Wegkreuzungen erheben und auf einer Seite von Kreuzigungsszenen
und auf der anderen Seite von Mariendarstellungen gekrönt sind. Uns
werden auch eigenartige „Häuschen“ auf überkragenden Steinkonsolen
bei Gehöften auffallen. Hierbei handelt es sich um dekorative Getreidespeicher
aus Holz oder Steinen von rechteckigem Grundriss auf zwei Stelzen
stehend, die den Mais vor Nagern und Bodenfeuchtigkeit schützen sollen.
Man nennt sie „hórreos“. Uns werden ebenfalls die flachen Steinplatten
an den Feldern auffallen, die senkrecht um Ackerparzellen errichtet
wurden. Diese eigenartige Abgrenzung war die Folge von Landaufteilung
unter Erben. So entstand eine Landwirtschaft der Minifundien, der
Zwergbetriebe. Die bodenständigen Bäume Galiziens sind Edelkastanien
und Eichen; in den sechziger Jahren wurden jedoch schnellwachsendere
Bäume wie Pinien und Eukalyptus angepflanzt. Noch heute werden Schweine
im Herbst in die Eichenwälder getrieben, damit sie sich an den Eicheln
satt fressen können. Berühmt sind die Schinken von diesen mit Eicheln
gefütterten Schweinen. Auf der Speisenkarte steht an erster Stelle
der „Caldo galegro“, ein Gemüse-Eintopf mit Kohl und Rüben. Bedeutenden
Ruf genießen auch die Käsesorten, die auf dem Lande noch mit großen
handwerklichen Können hergestellt werden. Auch wird der Wanderer irgendwann
mit dem berühmten Nachtisch „Tarta de Santiago“, eine Mandeltorte,
konfrontiert. Wohlschmeckend sind auch die galizischen Weine wie
„Albarin~o oder der weiße „Ribeiro“.
Aus
der keltischen Zeit haben sich die „Gaita“, der Dudelsack, die „Flauta“,
die Hirtenflöte und die „Pandereta“, das Tamburin, in die Neuzeit
hinüber gerettet.
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Maisspeicher
(horreo)
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Steinkreuz
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Feldbegrenzung
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